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Tanken in Japan ohne Japanisch-Kenntnisse: Full-Service vs. Self-Service im Detail

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Für viele Selbstfahrer ist die erste Annäherung an eine japanische Tankstelle von leichten Schweißausbrüchen begleitet. Wie erklärt man dem Personal ohne Japanischkenntnisse, welches Benzin man benötigt? Was bedeuten die zahllosen bunten Knöpfe auf den Touchscreens der Selbstbedienungstankstellen? Und warum hängen die Zapfschläuche an manchen Stationen eigentlich von der Decke?

Keine Sorge: Tanken in Japan ist absolut unkompliziert, wenn man die grundlegenden Abläufe und Vokabeln kennt. In diesem Guide führe ich dich Schritt für Schritt durch beide Tankstellen-Varianten, erkläre die Farbcodierung der Treibstoffe und verrate den Trick mit dem Wechselgeld-Automaten.

1. Die zwei grundlegenden Tankstellen-Typen

Wenn du an eine japanische Tankstelle fährst (die bekanntesten Marken sind ENEOS, idemitsu, Cosmo und Kyitsu), musst du als Erstes auf die Beschilderung an der Einfahrt achten. Es gibt zwei völlig unterschiedliche Betriebsformen:

  • Full Service (フル – Furu): Die traditionelle japanische Art. Du fährst an die Säule, bleibst entspannt im Fahrzeug sitzen und das Personal erledigt absolut alles für dich.
  • Self Service (セルフ – Serufu): Das SB-System. Du wählst die Treibstoffmenge am Touchscreen-Automaten selbst aus und greifst eigenhändig zur Zapfpistole.

2. Die einheitliche Farbcodierung der Treibstoffe

Das wichtigste Gesetz an der Zapfsäule betrifft die Farben der Zapfpistolen. Diese sind in ganz Japan gesetzlich strikt vereinheitlicht, was Verwechslungen fast unmöglich macht:

  • ROT = Regular (レギュラー – Regyurā)
    Das ist das normale Bleifrei-Benzin (ca. 95 Oktan). 99 % aller normalen Mietwagen, Hybriden und Kompaktklasse-Fahrzeuge in Japan tanken exakt diesen roten Treibstoff.
  • GELB = High Octane (ハイオク – Haioku)
    Das Gegenstück zu Super Plus / Premium-Benzin (100 Oktan). Wird in der Regel nur für Sportwagen, Luxuslimousinen oder spezielle Importfahrzeuge benötigt.
  • GRÜN = Diesel (軽油 – Keiyu)
    Achtung Verwechslungsgefahr: Das japanische Wort für Diesel lautet Keiyu. Wichtig: Tanke niemals Diesel in einen normalen Mietwagen, es sei denn, der Verleiher hat dir explizit einen Diesel-Lkw oder einen großen Diesel-SUV übergeben!

Sonderfall K-Cars (Kei-Cars): Die beliebten Miniautos tanken trotz ihrer winzigen Bauform ebenfalls fast ausnahmslos ganz normales rotes Regular-Benzin – kein Diesel und kein Gemisch!

3. So läuft das Tanken an einer Full-Service-Station ab

Das Tanken an einer Full-Service-Station ist eine faszinierende Erfahrung japanischer Dienstleistungskultur (Omotenashi). Oft stehen drei bis vier Mitarbeiter in adretten Uniformen bereit, verbeugen sich bei deiner Einfahrt und winken dich mit lauten Rufen und Armbewegungen an die freie Zapfsäule.

Der Ablauf Schritt für Schritt:

  1. Anfahren: Rolle an die Säule heran, schalte den Motor aus und öffne die Tankklappe von innen. Öffne dein Fahrerfenster einen Spalt weit.
  2. Die Bestellung auf Japanisch: Der Mitarbeiter kommt an dein Fenster, verbeugt sich und fragt nach deinem Wunsch. Du musst dir nur drei Begriffe merken: Treibstoffart, Menge und Bezahlmethode.Sage einfach den folgenden Zaubersatz:

    „Regular, Mantan, Kureditto kaado, onegai shimasu.“
    (Übersetzung: Benzin Normal, vollmachen, Kreditkarte, bitte.)

    Meaning der Begriffe:

    • Regular: Rotes Benzin
    • Mantan (満タン): Volltanken
    • Kureditto kaado (クレジットカード): Kreditkarte (Alternative für Bargeld: Genkin)
    • Onegai shimasu: Bitte
  3. Der Rundum-Service: Während der Mitarbeiter die Zapfpistole einhängt, passiert oft Erstaunliches: Ein zweiter Mitarbeiter tritt an das Auto, reinigt mit einem feuchten Tuch deine Frontscheibe und die Seitenspiegel. Oft wird dir durch das Fenster ein feuchtes Einwegtuch (Oshibori) gereicht, damit du das Armaturenbrett abwischen kannst, oder ein kleiner Mülleimer entgegengestreckt, um deinen Reisemüll zu entsorgen.
  4. Bezahlung: Der Mitarbeiter reicht das Kreditkartengerät an dein Fenster. Du tippst deine PIN ein oder unterschreibst den Beleg.
  5. Die Ausfahrt: Beim Anlassen des Motors tritt ein Mitarbeiter auf die Straße, stoppt für dich den fließenden Verkehr und weist dir mit lautem Rufen und Verbeugungen den Weg auf die Fahrbahn.

4. So läuft das Tanken an einer Self-Service-Station (SB) ab

An SB-Tankstellen (gekennzeichnet durch セルフ) bist du auf dich allein gestellt. Die Menüführung der Computer-Terminals an den Säulen ist leider bei weitem nicht immer auf Englisch verfügbar. Mit der folgenden Anleitung navigierst du dennoch sicher durch das Menü:

  1. Die Entladungstaste (Ganz wichtig!): Bevor du den Touchscreen bedienst oder eine Zapfpistole berührst, musst du dich statisch entladen. An jeder Säule befindet sich ein kleiner, meist runder, silberner oder schwarzer Plastikknopf mit einem Blitz-Symbol (Static Electricity Removal Pad). Berühre diesen Pad kurz mit der blanken Handfläche.
  2. Bezahlart wählen: Auf dem Startbildschirm wählst du zuerst die Zahlungsweise.
    • Button für Barzahlung heißt meist: 現金 (Genkin)
    • Button für Kreditkarte heißt meist: クレジットカード (Kureditto kaado)

    Schiebe bei Kreditkarte die Karte in den Schlitz ein und ziehe sie wieder heraus. Bei Barzahlung schiebst du einen Geldschein (z. B. einen 5.000- oder 10.000-Yen-Schein) in den Noteneinzug.

  3. Treibstoffart & Menge wählen:
    Auf dem Bildschirm erscheinen nun drei große Farbfelder: Rot, Gelb und Grün.
    Klicke auf das ROTE Feld (Regular / レギュラー).
    Danach fragt der Bildschirm nach der Menge. Klicke für Volltanken auf die Taste mit den Zeichen 満タン (Mantan).
    Alternatively kannst du auch einen festen Geldbetrag (z. B. 3.000 Yen) oder eine Literzahl wählen.
  4. Der Tankvorgang: Nimm die ROTE Zapfpistole, führe sie in den Tankstutzen ein und drücke den Hebel durch. Wenn der Tank voll ist, schaltet die Pistole automatisch mit einem klaren Klacken ab. Hänge die Zapfpistole wieder korrekt in die Halterung der Säule zurück.
  5. Der Kassenbon: Entnehme den gedruckten Beleg aus dem Schlitz.

Achtung – Die Falle beim Wechselgeld bei Barzahlung:
Wer an einer japanischen SB-Zapfsäule mit einem 10.000-Yen-Schein zahlt und nur für 4.000 Yen tankt, wundert sich oft vergeblich: Die Zapfsäule gibt kein Wechselgeld aus! Stattdessen druckt die Säule einen Kassenbon aus, auf dem unten ein großer Barcode abgedruckt ist.

Du musst mit diesem Bon vom Auto weggehen und auf dem Tankstellengelände nach einem separaten Automaten suchen. Dieser Automat heißt Seisanki (精算機) oder Change Machine. Halte den Barcode deines Kassenbons unter den Scanner des Automaten – erst jetzt wirft der Automat dein Restgeld in Scheinen und Münzen aus! Vergisst man diesen Schritt und fährt einfach weg, ist das Wechselgeld weg.

5. Sonderfall: Tankstellen mit Decken-Schläuchen

In engen japanischen Großstädten gibt es eine bauliche Besonderheit: Tankstellen, bei denen am Boden überhaupt keine Säulen stehen! Stattdessen hängen die Zapfschläuche an langen Schienen oben von der Hallendecke herab. Du fährst einfach in die Halle, der Mitarbeiter zieht den hängenden Schlauch auf der passenden Seite deines Autos herunter und tankt wie gewohnt. Das spart Grundfläche in extrem teuren Innenstadtlagen.

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